Brüche und kontrollierte Sauerstoffunterversorgung

Angiogenese (Bildung neuer Blutgefäße) ist ein Schlüsselprozess während des Zusammenwachsens von Knochenbrüchen. Störungen bei der Entwicklung der Durchblutung im Bruchbereich, außer von den oben genannten, Komplikationen, führen zur Entwicklung von Azidose (Senkung von pH). Ein niedriger pH-Wert im Bereich des Knochenzusammenwachsens stört die Angiogenese, die hauptsächlich durch Osteoblasten stimuliert wird. Bei einem Aufenthalt unter den Bedingungen simulierter Höhe kann man diesen Störungen auf zweifache Weise vorbeugen.

Mit dem Beginn des Aufenthalts in einer simulierten Höhe von ca. 3500m ü.d.M. (der Höhenbereich ist groß) unter Bedingungen der Normobaria mit geringerem Sauerstoffgehalt fängt der Atem und der Puls an, sich zu beschleunigen. Es ist zugleich eine ausgezeichnete Form der Rehabilitation, weil solch eine Antwort des Atmungs- und Kreislaufsystems der körperlichen Betätigung entspricht. Des Weiteren hat die Atembeschleunigung eine Schlüsselbedeutung bei einem Knochenbruch. Es erfolgt ein Anstieg des pH-Wertes, was der Bekämpfung von Azidose im Bruchbereich ausgezeichnet beiträgt. Dadurch lässt die Aktivität des Faktors, der durch Osteoblasten zur Bildung neuer Blutgefäße stimuliert wird, nicht nach.

 

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Der Faktor, der für die Bildung neuer Blutgefäße im Knochenbereich zuständig ist, heißt vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktor (eng. VEGF). Es ist einer der Faktoren, derer Aktivität in Reaktion auf Anpassung an Höhenbedingungen steigt. Eine ganze Reihe von adaptiven Mechanismen wird durch den Hypoxie-induzierten Faktor (HIF) ausgelöst. Dadurch wird die Aktivität vom vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor (eng. VEGF) gesteigert, insbesondere in Bereichen mit größter Sauerstoffunterversorgung, zu denen in einem Bruchfall der Zusammenwachstumsbereich gehört (Spector JA. 2000). Ein gleichzeitiger Anstieg von Erythropoietin ändert rheologische Bluteigenschaften, sodass sie schneller an betroffene Bereiche gelangen und sie besser ernähren kann. Selbst das Erythropoietin weist entzündungshemmende Eigenschaften auf.

 

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Es wurde zusätzlich beobachtet, dass nach einer Konditionierung unter Höhenbedingungen im Wirkungsbereich von Osteoblasten ein Anstieg der Konzentration von insulinähnlichem Wachstumsfaktor – 2 (eng. IGF-2) erfolgt, der einer der Wachstum-Grundfaktoren ist und somit den Prozess der Knochenregenerierung beschleunigt (Steinbrech DS. 2000).

Solch eine Reaktion des Organismus auf Höhenbedingungen bewirkt, dass der Verletzungsbereich wesentlich schneller geheilt wird, bei gleichzeitiger Atmungs- und Kreislaufrehabilitation, sodass der Verlust körperlicher Leistungsfähigkeit wesentlich geringer ist. Um das zu erzielen, genügen kurzfristige Aufenthalte (von 1 bis 2 Stunden) unter Höhenbedingungen, und ein Folgeaufenthalt unter ‘normalen’ Bedingungen ermöglicht dem Organismus, den Sauerstoff zu 100% zu nutzen, und beschleunigt die Geweberegenerierung.